Das sonnenreiche Glarner-Dorf Ennenda schreibt eine abwechslungsreiche und eindrückliche Geschichte. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte das Fabrikdorf seine goldenen Jahre und galt lange als eine der reichsten Schweizer Gemeinden. Es ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz als Ortsbild von nationaler Bedeutung erfasst und gehört zu einem der 50 touristisch attraktiven Ortsbildern der Kampagne «Verliebt in schöne Orte» von Schweiz Tourismus. Gelegen am schönen Fluss Linth ist Ennenda auch Tor zum UNESCO Welterbe Tektonikarena Sardona.
Dorfentstehung
Das Gebirge rund um Ennenda entstand ursprünglich im Rahmen der Hauptüberschiebung der Alpen. Eine Besonderheit bildet die Gesteinsart «Verrucano», die im Glarnerland grossflächig in Ennenda anzutreffen ist. Mächtige Felsblöcke in der Talebene – wie der Gässlistein – sind Zeugen einstiger Bergstürze.
Die Dorfgründung von Ennenda erfolgte auf dem Schuttkegel der Ätzgenrunse. Die ältesten Dorfteile sind das Oberdof, der Weiler Sturmigen, die Dorfschaft Ennetbühls und die Bergsiedlung Ennetberge.
Bauerndorf
In Ennenda wurde einst weitgehend selbstversorgende Landwirtschaft betrieben. Erst nach der Eindämmung der Linth im Verlauf des 16. Jahrhunderts konnte der Talboden genutzt werden.
Glarner Schiefer/Handelszeit
Nur hundert Jahre später später waren zeitweise fast alle Haushalte in einer Form an der Herstellung oder am europaweiten Export von Schiefer-Tischen beteiligt. Der Schiefer wurde hauptsächlich in Engi abgebaut und in Ennenda verarbeitet. Die Ennendaner handelten aber nicht nur mit Schiefer, sondern auch mit anderen Waren wie Ziger, Dörrfrüchten, Tee und Harthölzern. Das Dorf erhielt folglich einen Aufschwung: die Indigofärberei in Ennetbühls entstand, die reformierte Kirche wurde erbaut und Ende des 18. Jahrhunderts folgte die langgestreckte Mülizeile – als frühes Beispiel für die später im ganzen Kanton verbreitete Zeilenbauweise.
Handels- und Fabrikdorf
Die goldenen Jahre erlebte Ennenda in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, als sich die Wienerhandlung «Jenny-Aebli & Co.» niederliess, die mit Leinwand und Baumwolle handelte. Im gleichen Zeitraum entstanden die «Deutschländerhandlung Markus Oertli & Sohn» und die «Holländer Handelsgesellschaft Weber-Aebli & Co.» mit internationalen Niederlassungen. Mit dem Handwebereigeschäft wurden die Handelsprodukte abgerundet, die vor allem nach Österreich, Ungarn, Polen und Russland geliefert wurden.
Wachstum
In den 1820er Jahren eröffneten die Gebrüder Trümpy eine Baumwolldruckerei, die drei Jahre später von Barth. Jenny übernommen und zu einem grossen Fabrikkomplex mit charakteristischen Trockentürmen («Hänggitürme») ausgebaut wurde. Die Häuserzeilen am Kirchweg und in der Wies entstanden.
Als eine der ersten Gemeinden im Kanton Glarus erhielt Ennenda noch vor der Einführung der allgemeinen Schulpflicht ein stattliches Schulgebäude. Weitere Fabrikgründungen folgten, der Dorfbach wurde kanalisiert und mit dem Neubauquartier war die grösste Bautätigkeit vorerst abgeschlossen.
Erst ein paar Jahre später wurde der Bahnanschluss realisiert, der beim Bahnhof dreigleisig war. Die drei luxuriösen Villen an der Villastrasse sowie das monumentale Gemeindehaus mit Konzertsaal, das Elemente des französischen Schlossbaus beherbergt, wurden erbaut. In Ennetbühls gründete ziemlich zeitgleich Tschudi & Cie die Feinpappenfabrik.
1904 betitelte das Geographischen Lexikon der Schweiz Ennenda als eine der wohlhabendsten Gemeinden der Schweiz. Damals gab es keine Einkommenssteuer, die Fabriken und deren Herren übernahmen die Rechnungen – auch für das Armenwesen.
Veränderungen/Neuzeit
Während einer Zeugdruckkrise, schritten die Fabrikanten zur Diversifikation; die Druckerei Barth. Jenny wurde in eine Spinnerei, die Druckerei C. Jenny später in eine Teppichfabrik umgewandelt. 1931 erhielt das Dorf zwei weitere wichtige Gesellschaftsbauten; das grosszügige Gesellschaftshaus und die architektonisch bemerkenswerte Kinderkrippe an der hinteren Villastrasse.
Im 20. Jahrhundert lösten neue Industriezweige die Stoffdruckereien ab, unter anderem im Bereich Elektroapparate, Teppichherstellung, Metallwaren, Aufzüge und Konfiserieprodukte.
Heute werden in Ennenda vor allem die weltweit bekannten Läderach Schokolade-Kreationen gefertigt und in verschiedenen Firmen Metallteile verarbeitet. Handwerk wird immer noch gross geschrieben; unterschiedliche Fachbetriebe sind in Ennenda ansässig.






